Strahlemännchen

06. September 2011

StrahlemännchenWarum gibt es dieses Projekt für die Kinder?

Von Gründer Eric Junge

Es war nasskaltes Wetter Ende Februar und morgens früh um 7:00 Uhr fuhr ich zu einem Haus um meinen kleinen Fahrgast abzuholen. Blass, schwach und seine Haut fast durchsichtig, kaum Haare auf dem Kopf, mit einer Baseballkappe bedeckt stieg David ein. Sein Vater, sagte das Ziel an. Zur Bestrahlung zur Uniklinik nach Köln. Das dauert ungefähr eine Stunde. Diese Fahrt wiederholte sich nun täglich und langsam taute der Kleine auf und erzählte mit etwas schwacher Stimme, Klinik dass er einen Gehirntumor hat und wegen der Chemotherapie seine Haare ausgegangen sind. Er erzählte mir, dass er morgens wach wurde, Kopfweh hatte und es ihm übel war. Da dachten noch alle er hätte eine Art Magen- und Darmgrippe. Nachdem beim Hausarzt keine Erklärung für diese außergewöhnlichen Schmerzen zu finden waren, drängte seine Mutter darauf den Kopf genauer untersuchen zu lassen. Somit kam er zu der ersten Kernspintomographie seines Lebens. Im Traum hatte niemand daran gedacht, dass er im Stillhalten noch Routine bekommen sollte. Das Ergebnis war niederschmetternd. Er hatte einen raumfordernden Tumor am Kleinhirn. Was das war konnte man sich gar nicht vorstellen.

Was um alles in der Welt ist ein Glioblastom Grad IV?

Wurde es genau erklärt ? Innerhalb von sechs Wochen im Krankenhaus wurde der Kleine operiert und bekam seine erste Chemotherapie. Gegen die fürchterliche Übelkeit  bekam er ein gut wirksames Medikament. (Zofran)
www.strahlemaennchen.de

30 Fahrten zur Bestrahlung reichten nicht aus, denn weitere oft tägliche Blutuntersuchungen und Infusionen führten dazu, dass wir uns im Verlauf der vielen langen Fahrten anfreundeten. Es ging ihm eigentlich immer relativ gut und beim Einsteigen lächelte er  fröhlich und sagte:” Vorsicht, ich strahle”. “Du kleines Männchen strahlst ? Du bist ein Strahlemaennchen, ab nach hinten”. Der kleine baute eine innige Beziehung auf, denn bei Heißhunger auf Pommes, Pizza und kleinen Extrawünschen hatte er ja seinen persönlichen Fahrer und Freund. Zu seinem 12. Geburtstag im Juni wurde für ihn die Homepage:  strahlemaennchen.de erstellt und darauf stand dann alles über ihn, seine Hobbys und seine Krankengeschichte.

Die Therapie ging weiter

Im Herbst rief man wieder zu einer Kernspintomographie. Da im Rückenmark keine Tumorzellen gefunden wurden, waren alle froh. Aber bevor die Freude so richtig losgehen konnte, wurden alle Beteiligten  auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Neue Tumore hatten sich an einer nicht zu operierenden Stelle gebildet. Wieder gab es Bestrahlungen und eine orale Chemotherapie. Als mittlerweile ständiger  Begleiter in der Klinik, habe ich dann einmal heimlich einen Blick in die Krankenakte werfen können und habe die Diagnose notiert. Abends nachdem mein kleiner Schützling wieder wohl zu Hause angekommen war habe ich im Internet nach der Diagnose gesucht und war zu tiefst erschüttert. Sollte mein Kleiner daran sterben müssen ? Ich wollte das nicht glauben und habe dann alle möglichen Ärzte gefragt ob es denn nichts gäbe, womit man ihn heilen könne. Ein Arzt der Berliner Charité sprach mit mir und sagte, “Sie befinden sich mit dem Jungen auf einem Weg, der zu Ende geht und das Ende ist bereits in Sicht. Nutzen Sie die Zeit die Ihnen und dem Kind bleibt und lassen Sie keine Zeit auf Krankenhausfluren verstreichen.” Sehr traurig nahm ich das zur Kenntnis und fragte ein paar Tage später:

Hast Du einen großen Wunsch?

“Sag mal Kleiner, was würde Dich am Meisten interessieren?”

Der Kleine glaubte fest daran wieder gesund zu werden. Gemeinsam mit meiner Frau Joanna haben wir überlegt, wie wir ihn ablenken können, und haben uns viel einfallen lassen. Von einem Flug nach Spanien, Fußballstadionbesuch, Big Brother Bewohner treffen, bis hin zu Disneyland und einigen Rundflügen, konnte unser “strahlemaennchen”, alles erleben. Viel Zeit hatten wir nicht und nach augenscheinlich anfänglichem Erfolg starb er unerwartet plötzlich wenige Tage nach seinem 13. Geburtstag,  nach 18 Monaten hartem Kampf.

David hatte noch einen Wunsch den wir erfüllen wollten und es heute noch jeden Tag tun.

“Wenn ich nicht mehr krank bin, dann machen wir auch so viel mit anderen Kindern, die ich im Krankenhaus kenne und die genauso krank sind wie ich.”

In diesem Sinne “Share the Spirit”